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22. Juli 2015

Neue Heimat Südtirol – Proveis

Abschluss der Dreharbeiten:
In seiner 45-minütigen Doku, dem ersten von vier Filmen für das Bayerische Fernsehen zeigt Klaus Röder die Gemeinde Proveis am Deutschnonsberg.

Das idyllische Proveis in Südtirol glänzt nicht nur durch seine atemberaubenden Landschaften: seit Jahrhunderten stellt das Bergdorf einen von historischen Ereignissen geprägten Schauplatz dar, der seit dem Jahr 1200 immerfort von Völkern germanischer Abstammung besiedelt ist.

Auch für Herzog Friedrich IV, Begründer einer „Tiroler Linie“ der Habsburger, dient die Gemeinde im dreizehnten Jahrhundert als Zufluchtsort, zum Dank wird er der erste Stifter der Proveiser Frühmesse.
Im Mittelalter sowie in der frühen Neuzeit gelten vor allem Bergbau und Landwirtschaft als Primärbeschäftigung der Einwohner.

1810 werden infolge des Pariser Staatsvertrages neue Staatsgrenzen nahe Proveis gezogen, auf dem Grat zwischen Samerberg und Brinzer Alm befinden sich noch heute Grenzsteine, die mit den eingemeißelten Buchstaben „B“ und „I“ die Grenze zwischen den damaligen Königreichen Bayern und Italien festlegen.

Zu diesem Zeitpunkt ist Proveis schon seit 10 Jahren eine eigenständige Gemeinde. Die Einwohner errichten eine neue Kirche, eine Schule sowie andere Handwerksbetriebe – doch das Glück währt nicht lange.

Mit dem Eintreten des 20. Jahrhunderts wird die Abwanderung ins Tal zur Arbeitssuche immer stärker. Dazu kommen bald die Schwierigkeiten, die der erste Weltkrieg mit sich bringt: durch den italienischen Faschismus und die Italienisierung soll den Einwohnern die deutsche Sprache und Kultur „ausgetrieben“ werden.

Während des zweiten Weltkrieges wird Südtirol von deutschen Truppen besetzt und verwaltet. Auch junge Männer aus Proveis müssen dann Kriegsdienst für die Nationalsozialisten leisten. Als Proveiser Kriegsheld gilt Leonhart Dallasega, der als Vater von vier Kindern den Befehl verweigert, auf einen Priester zu schießen und somit selbst hingerichtet wird.

Nach Ende des Krieges blüht das Dorf in den Bergen wieder auf – Infrastrukturen werden verbessert, das Dorf wird gestaltet – und Proveis wird zu dem, was es heute ist.

Ulrich Gamper, der seit einigen Jahren als Bürgermeister fungiert, legt großen Wert darauf, Infrastrukturen zu erhalten sowie zu erneuern und die Abwanderung zu verhindern, indem er die Proveiser motiviert, Traditionen leben zu lassen und diese mit Modernem zu verknüpfen – so verliert das Dorf nicht an Charme und regt auch junge Leute durch seine Attraktivität an, in der Heimat zu bleiben.

Klaus Röder portraitiert Einwohner und untermalt somit die historischen, landschaftlichen und emotionalen Facetten der kleinen Südtiroler Gemeinde.

 

Autorin: Annabell Lutz